Geschichte

Geschichte des Suchdienstes
Am Ende des 2. Weltkriegs hatten 7,8 Millionen Deutsche ihr Leben verloren, 11,5 Millionen deutsche Soldaten waren in Gefangenschaft geraten, 800.0000 Zivilisten befanden sich in Internierungslagern, 300.000 Kinder waren ihren Eltern entrissen; 30 Millionen Deutsche waren voneinander getrennt.
 
Die historische Geschichte des Suchdienstes beginnt in München, wo das Zetralarchiv des Suchdienstes noch heute ansässig ist.

(1945-1949) I. Gründung, Aufbau, Aufgaben und Methoden
1945 Mai Beginn der Suchdienstarbeit in München
 1945 August Das Bayerische Rote Kreuz ruft zu einer ersten Registrierung von Vermißten, Evakuierten und Flüchtlingen auf.
1946 Der Suchdienst München wird Zonenzentrale für die Amerikanische Besatzungszone; die Zentrale für die Englische Zone befindet sich in Hamburg.
(1950-1955) II. Organisatorische Festigung und staatliche Unterstützung: Vorbereitung der systematischen Heimkehrerbefragung
1950 Februar

Die Bundesregierung erläßt den "Aufruf zur Registrierung der Kriegsgefangenen und Vermißten". In der Zeit vom 1.-11. März werden

  • 69.000 Kriegsgefangene
  • 1.148.000 Wehrmachtsverschollene und
  • 190.000 Zivilverschollene gemeldet.
1950 April Die Karteien der Suchdienste München und Hamburg werden in München zusammengeführt. Damit entsteht die Zentrale Namenskartei.
1950 Mai Seit 1945 werden 16 Millionen Suchanträge gestellt. Der Suchdienst gibt 8.800.000 schicksalsklärende Auskünfte über nächste Angehörige.
1950 Dezember 1.921.000 Heimkehrer sind seit Kriegsende nach Vermißten befragt worden. 942.000 Heimkehrererklärungen sind abgegeben worden.
1950 Dezember Die Vermißtenlisten (38 Bände) gehen in Druck.
1952 Januar Mit der Herstellung der 51-bändigen UN-Dokumentation "German Prisoners of War and Missing Members of the Wehrmacht" wird begonnen. Fertigstellung und Übergabe 1955.
1953 März Die Bundesregierung beschließt die "Gesamterhebung zur Feststellung der Verluste der deutschen Bevölkerung in den Vertreibungsgebieten" (Der Suchdienst München erhält mehr als 7 Millionen Kontrollkarten aus der 1955 durchgeführten Gesamterhebung zur Einstellung in seine Zentrale Namenskartei).
(1955-1966) III. Verschollenenbildlisten/Zivilverschollenenliste
1957 Januar Beginn des Aufbaus der Zentralen Heimkehrerdatei.
1957 Mai Vereinbarung über gegenseitige Hilfe in Suchdienstfragen zwischen dem Sowjetischen und dem Deutschen Roten Kreuz (bis 1991 erteilt das Sowjetische Rote Kreuz 445.000 Auskünfte).
1957 Dezember Mit dem Druck der Vermißtenbildlisten wird begonnen. Sie bestehen aus 199 Einzelbänden, in denen die Personalangaben von 1,4 Millionen Kriegsverschollenen mit 900.000 Lichtbildern enthalten sind. Insgesamt werden 118.400 Bände gefertigt. Mit 16,3 Millionen gesondert gedruckten Einzelbildlisten werden Heimkehrerbefragungen durchgeführt.
(1966-1989) IV. Gutachten für 1,2 Millionen ungeklärte Fälle: vorläufige Schicksalsklärung
1966 Januar Mit der Gruppennachforschung und Gutachtenverarbeitung wird begonnen.
1968 Januar Die ersten Suchdienst-Gutachten werden zugestellt.
1976 Januar Der Suchdienst München übernimmt den Kindersuchdienst vom Suchdienst Hamburg.
1979 Januar Der Suchdienst München übernimmt die Nachforschungen nach Personen, die auf dem Gebiet der DDR in Verschollenheit gerieten, vom Suchdienst Hamburg.
1980 Mai Der Suchdienst München nimmt die Behandlung von Suchdienstanliegen im Zusammenhang mit Katastrophen und Konflikten auf.
1982 Januar Der Suchdienst München wandelt sich zur Zentralen Auskunfts- und Dokumentationsstelle. Seine Funktionen liegen nun verstärkt auf dem Gebiet der Auskunftserteilung, der Sammlung, Erschließung und Verwahrung archivwürdiger Unterlagen und der Schaffung von Dokumentationen.
1984 Dezember Beim Suchdienst München liegen 1,8 Millionen Schriftstücke für die Erschließung und Archivierung vor. Es handelt sich um eigene Unterlagen und vom DRK-Generalsekretariat, vom DRK-Suchdienst Hamburg und von den DRK-Landesverbänden sowie vom Evangelischen Hilfswerk für Internierte und Kriegsgefangene (EHIK), München, übernommene Unterlagen.
1985 Januar Übernahme der personenbezogenen Unterlagen vom DRK-Landesverband Berlin, betreffend Mitarbeiter und Einsätze des DRK während des Zweiten Weltkrieges.
1989 September Nach Öffnung der ungarischen Grenze Erfassung der in die BRD geflüchteten Übersiedler aus der DDR.
ab 1989 V. Politische Öffnung Osteuropas neuer Aufbruch in der Suchdienstarbeit
1989 Herbst Aufnahme von Kontakten mit russischen Ministerien, Behörden und Archiven wegen archivierter Unterlagen über deutsche Kriegsgefangene.
1991 Januar Der Zentrale Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes der DDR wird Außenstelle des Suchdienstes München.
1992 März Kriegsbeginn in Bosnien/Herzegowina. Austausch von "Family Messages".
1992 Oktober Erste Diskette aus Moskau mit Daten über verstorbene deutsche Kriegsgefangene.
1992 Dezember Mikroverfilmung der Unterlagen über NKWD-Sonderlager im Zentralarchiv der Russischen Föderation.
1994 November Erste Diskette mit Daten über verstorbene Zivilisten.
1994-1998 Verträge mit zahlreichen russischen Behörden und Archiven, darunter der FSD (ehem. KGB), über Datentransfers, betreffend verschollene deutsche Wehrmachtsangehörige und Zivilisten.
1999-2000 Beginn systematischer Ermittlungen in Archiven in ost- und südosteuropäischen Staaten.
2000-2001 In den Datenbanken des DRK-Suchdienstes München sind über 1,2 Millionen transferierte Daten vor allem aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) gespeichert.
2001 11. September. Terroranschlag auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington. Der Suchdienst München leitet eingehende Suchanfragen nach Vermissten an das Amerikanische Rote Kreuz weiter.
2003 März Beginn des Irak- Krieges (Operation Iraqi Freedom). Der Suchdienst München bearbeitet eingehende Suchanfragen und organisiert den Austausch von Rotkreuz-Familiennachrichten.
2004 Vertragsschließung mit dem Russischen Staatlichen Militärarchiv über zwei Millionen Akten zu den deutschen Wehrmachtsangehörigen und Internierten.
2004 Dezember 26. Dezember. Tsunami- Katastrophe in Südostasien hat über 200.000 Menschenleben gefordert. Tausende von Menschen werden immer noch vermisst. Beim Suchdienst München sind rund 4500 Anfragen eingegangen.
2005 DRK Suchdienst begeht sein 60jähriges Bestehen. Die Bilanz: Seit seiner Gründung hat der Suchdienst mehr als 16 Millionen Menschen wieder zusammengeführt; 1,3 Millionen Menschen aus dem 2. Weltkrieg werden immer noch vermisst; 5.000 bis 8.000 Rotkreuz-Nachrichten werden jährlich an Kriegsgefangene und Angehörige weltweit übermittelt.